EU-Leitfaden zur Umsatzsteuer im digitalen Zeitalter (VAT in the Digital Age, ViDA)

Welchen Einfluss haben Umsatzsteuer und ViDA auf die globale Steuergesetzgebung und Compliance?

Tax Solutions for Europe by Vertex

Was ist Umsatzsteuer und warum gibt es sie?

Umsatzsteuer (USt.) ist eine allgemeine Verbrauchssteuer, die auf den Mehrwert von Waren und Dienstleistungen erhoben wird. In der EU dient sie als Haupteinnahmequelle für die Mitgliedstaaten und als Bestandteil der Eigenmittel der EU. Die Umsatzsteuer basiert auf einer anteiligen Erhebung. Steuerpflichtige Personen weisen die Umsatzsteuer auf ihre Verkäufe aus (Ausgangsumsatzsteuer) und erhalten eine Erstattung der auf Geschäftskosten angefallenen Umsatzsteuer (Eingangsumsatzsteuer). Der Mechanismus stellt sicher, dass die Steuer in jeder Produktions- und Vertriebsphase erhoben wird, jedoch nur auf den Zuwachs an geschaffenem Wert. Diese Neutralität verhindert die weitergeleiteten steuerlichen Auswirkungen, die in älteren Umsatzsteuersystemen auftraten.

Was ist Umsatzsteuer im digitalen Zeitalter?

VAT in the Digital Age (ViDA), zu Deutsch „Umsatzsteuer im digitalen Zeitalter“ ist ein umfassendes Gesetzespaket, das vom Rat der EU zur Modernisierung der Richtlinie 2006/112/EG verabschiedet wurde. Es geht auf die Ineffizienzen des aktuellen Systems in einer digitalisierten Wirtschaft ein.

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Umsatzsteuer

Die Digitalisierung hat die Lieferketten grundlegend verändert und die traditionellen Regeln zum Lieferort in Frage gestellt. Der Aufstieg der Plattformökonomie und digitaler Remote-Dienste hat zu blinden Flecken bei der Compliance geführt und zu der Umsatzsteuerlücke der EU beigetragen (schätzungsweise über 99 Milliarden Euro jährlich in der EU). ViDA zielt darauf ab, digitale Tools zu nutzen, um dagegen anzugehen und gleichzeitig die Compliance für Unternehmen zu vereinfachen.

Was sind die Hauptkomponenten von ViDA?

Neue digitale Meldepflichten, wie z. B. e-Invoicing: Diese zielen darauf ab, die Umsatzsteuerberichterstattung zu modernisieren, indem ein Datenaustausch in Echtzeit oder nahezu in Echtzeit zwischen Unternehmen und Steuerbehörden eingeführt wird. Dieser wird durch e-Invoicing unterstützt, um Betrug zu verringern, die Genauigkeit zu verbessern und die Aufdeckung von Umsatzsteuerunregelmäßigkeiten zu beschleunigen.

Was sind die Hauptkomponenten von ViDA?

Neue Umsatzsteuerregeln für die Plattformwirtschaft, die digitale Marktplätze betreffen: ViDA führt neue Regeln dazu ein, was „als Lieferant erachtet“ in der Plattformwirtschaft bedeutet. Gemäß dieser aktualisierten Gesetzgebung ist der Marktplatz-/Plattformbetreiber (für Kurzzeitvermietungen von Unterkünften und Personenbeförderungsdiensten) und nicht der Anbieter, der die Plattform nutzt, für die Erhebung und Einziehung der Umsatzsteuer verantwortlich.

Was sind die Hauptkomponenten von ViDA?

Einmalige Umsatzsteuerregistrierung und Erweiterung des One-Stop-Shop-Systems: Durch die Erweiterung des One-Stop-Shop-Systems könnten sich immer mehr Lieferanten und Branchen in allen EU-Mitgliedstaaten für die Erfassung und Ausweisung der Umsatzsteuer anmelden.

Zeitplan für die Implementierung.

Der Zeitplan für die Umsatzsteuer im digitalen Zeitalter ist in verschiedene Phasen der Implementierung unterteilt.

Vor 2028: Mitgliedstaaten die freiwillige e-invoicing im Inland einführen, ohne eine EU-Ausnahmegenehmigung zu beantragen.

1. Juli 2028: Die einheitliche Umsatzsteuerregistrierung (SVR) und das erweiterte OSS treten in Kraft. Die Regelung „als Lieferant erachtet“ für Plattformen steht den Mitgliedstaaten zur freiwilligen Anwendung zur Verfügung.

1. Januar 2030: Die Regelung „als Lieferant erachtet“ für Plattformen wird in der gesamten EU obligatorisch.

1. Juli 2030: Obligatorisches B2B e-Invoicing und digitale Meldepflichten (DRR) treten für innergemeinschaftliche Transaktionen in Kraft. Zusammenfassende invoices sind weiterhin für Lieferungen innerhalb desselben Kalendermonats zulässig.

1. Januar 2035: Die vollständige Harmonisierung erfordert die Ausrichtung aller nationalen Berichtssysteme an den EU-Standard (EN 16931).

Was ist die Rolle der EU-Kommission in ViDA?

Die Kommission fungiert als Architekt des gesetzlichen Frameworks und als Hüter seiner Implementierung. Diese Rolle verlagert sich nun auf die Definition der technischen Spezifikationen für die Standardisierung (beispielsweise den EN 16931 e-Invoicing-Standard) und die Gewährleistung der Interoperabilität zwischen Mitgliedstaaten. Sie wird auch die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht überwachen, um eine Fragmentierung des Binnenmarktes zu verhindern.

Auswirkungen von ViDA auf die EU-Mitgliedstaaten

Mitgliedstaaten müssen umfangreiche IT-Infrastrukturprojekte durchführen, um die Flut der Echtzeitdaten von Steuerzahlern zu bearbeiten. Sie behalten die Autonomie über die inländischen Meldesätze, müssen aber e-invoices akzeptieren, die den EU-Standards für den grenzüberschreitenden Handel entsprechen. 

 

Die Reform verlagert den Audit-Ansatz von retrospektiven Prüfungen auf Datenabgleich nahezu in Echtzeit, wodurch die Möglichkeiten zur Betrugserkennung wesentlich verbessert werden.

Wie können sich Unternehmen auf die neuen ViDA-Vorschriften vorbereiten?

Die Vorbereitung erfordert eine strategische Prüfung der aktuellen ERP- und Fakturierungsfunktionen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Systeme strukturierte e-invoices generieren und empfangen können, (z. B. UBL/XML) und nicht nur unstrukturierte PDFs. Lieferketten mit Abrufbeständen oder grenzüberschreitenden Bestandsübertragungen müssen vor den SVR-Änderungen 2028 einer Überprüfung unterzogen werden. Darüber hinaus müssen sich Plattformen in den Sektoren „Beherbergung und Transport“ auf die Haftung als vermuteter Lieferant vorbereiten und ihre Händler-Onboarding- und Steuerfindung-Engines aktualisieren.

Wie kann Vertex Ihnen bei ViDA helfen?

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Bleiben Sie über Umsatzsteuer und ViDA auf dem Laufenden.

Die Bedeutung von ViDA ist nicht zu unterschätzen. Dies ist eine der größten Umwälzungen der Umsatzsteuer-Vorschriften der letzten Zeit und ihre Auswirkungen werden nicht nur in der EU, sondern auch weltweit zu spüren sein. Das Beste für die betroffenen Unternehmen ist, informiert zu bleiben und vorbereitet zu sein.

FAQs

ViDA steht für „VAT in the Digital Age“, zu Deutsch also „Umsatzsteuer im digitalen Zeitalter“. ViDA ist ein umfassendes Gesetzespaket, das vom Rat der EU zur Modernisierung der Umsatzsteuerrichtlinie verabschiedet wurde. Seine primären Ziele sind die Schließung der Umsatzsteuerlücke durch bessere Betrugserkennung, die Anpassung der Regeln für die Plattformökonomie und der Übergang der grenzüberschreitenden Berichterstattung von veralteten aggregierten Listen zu transaktionsbasierter digitaler Berichterstattung.

Die bedeutendste Änderung ist die Umstellung auf digitale Meldepflichten (DRR). Für den innergemeinschaftlichen B2B-Handel müssen Unternehmen strukturierte r-invoices ausstellen und Transaktionsdaten innerhalb von 10 Tagen an die Steuerbehörden melden. Das verändert die Compliance von einer rückwirkenden monatlichen Zusammenfassung hin zu einer nahezu Echtzeit, transaktionsbezogenen Verpflichtung.

Über die Compliance hinaus schafft die obligatorische strukturierte e-invoicing (basierend auf dem EN 16931-Standard) Fehler bei der manuellen Dateneingabe und der Texterkennung ab. Dies ermöglicht Datengenauigkeit, beschleunigte Vorsteuererstattung und automatisierte Abstimmung von Kreditoren-und Debitorenkonten.

Italien war mit seinem SdI-System der Vorreiter in der EU. Polen (KSeF), Rumänien (RO e-Factura) und Belgien führen alle Vorgaben ein, während Frankreich und Deutschland nationale B2B-Anforderungen gesetzlich festgelegt haben. ViDA wird diese unterschiedlichen nationalen Systeme für den grenzüberschreitenden Handel bis 2030 harmonisieren.

ViDA schafft die bisherige Zusammenfassende Meldung (EG-Verkaufsliste) ab. Sie wird durch eine vereinheitlichte digitale Meldepflicht (DRR) ersetzt, bei der Daten automatisch zwischen den Mitgliedstaaten über ein zentrales System ausgetauscht werden, was die administrative Belastung der Meldung mehrerer zusammenfassender Berichte erheblich reduziert.

DRR ist der Mechanismus, der Unternehmen dazu verpflichtet, Details grenzüberschreitender Transaktionen nahezu unmittelbar nach der Lieferung digital an die Steuerbehörden zu übermitteln. Es ist der Kern der Betrugsbekämpfungsstrategie von ViDA und gibt den Mitgliedstaaten Sichtbarkeit der Transaktionskette, um Karussellbetrug zu verhindern.

Absolut. Da ViDA strukturierte Datenformate (XML/UBL) und strenge Berichtsfristen erfordert, ist eine manuelle Compliance nicht mehr möglich. Die Automatisierungssoftware bearbeitet die Datenvalidierung, Formatkonvertierung und sichere API-Übertragung, die zur Erfüllung dieser neuen EU-weiten Standards erforderlich sind.

Nichteinhaltung der e-invoicing-Standards bedeutet, dass eine invoice rechtlich unwirksam ist – das bedeutet, Ihr Kunde erhält keine Umsatzsteuererstattung und Ihnen können Strafen wegen verspäteter Meldung drohen. In einem digitalen System werden Fehler von der Steuerbehörde sofort erkannt, was die Wahrscheinlichkeit von automatisierten Audits und Geldstrafen erhöht.

Verzichten Sie auf Papier- bzw. PDF-invoices. Überprüfen Sie die Fähigkeit Ihres Unternehmens, strukturierte Daten (XML) zu generieren und bewerten Sie Ihre Lieferkette im Hinblick auf grenzüberschreitende Transaktionen. Die Implementierung einer Tax Engine oder einer e-Invoicing-Lösung stellt nun sicher, dass Sie für die inländischen Vorgaben (wie Deutschland 2025) bereit sind, die der vollständigen ViDA-Einführung 2030 vorausgehen.

Fordern Sie eine maßgeschneiderte Demonstration an, um die Vertex-Plattform in Aktion zu sehen. Wir zeigen Ihnen genau, wie unsere Software die kritischen Komponenten des neuen Systems automatisiert, von der Generierung konformer e-invoices bis hin zum Verwalten der Echtzeit-Berichterstattung und stellen sicher, dass Ihr Unternehmen für die digitalen Steuervorschriften der EU gerüstet ist.