Welchen Einfluss hat die Einführung von generativer KI und agentischer künstlicher Intelligenz (KI) in einem Unternehmen auf die einzelnen Funktionen in der Steuerabteilung?
Die Frage kommt zur rechten Zeit – und ist allgegenwärtig: CFOs, CIOs, Vertriebsleiter, CMOs, Chief Risk Officers, Leiter der Innenrevision und weitere Führungskräfte in Unternehmen stellen dieselbe Frage in Bezug auf Jobs und Verantwortlichkeiten in ihren jeweiligen Bereichen. Um Antworten zu erhalten, haben wir Vertex-Kunden zu ihrer Einführung von KI befragt und vermerkt, was wir in den Unternehmen beobachten, mit denen wir in unserem gesamten Ökosystem kommunizieren.
Die Haltung der meisten Steuerteams ist noch abwartend.
Wir haben Vertex-Kunden während eines aktuellen Webinars für Mitglieder der Vertex Community nach ihren Aktivitäten im Zusammenhang mit der Anwendung von KI befragt. Die Vertex Community ist ein zentraler Hub, der Kunden einfachen Zugang zu Wissen, Schulungen, Support, Produktaktualisierungen und Zusammenarbeit mit Kollegen bietet. Im Vertex Community-Forum können Kunden sich über Ideen und Best Practices austauschen, sich untereinander vernetzen, über Branchenthemen diskutieren und Kontakt zu unseren Vordenkern herstellen.
So beschrieben mehr als 300 Webinar-Teilnehmer – darunter Führungskräfte und Experten im Bereich indirekte Steuern, Vorstandsmitglieder und andere Unternehmensleiter – die KI-Pläne ihrer Steuerabteilung für 2025–2026:
- Außerhalb des Steuerbereichs: KI wird auch in anderen Bereichen als Steuern in Betracht gezogen bzw. verwendet – wir erwarten, dass sie auch bei uns eingesetzt wird (ausgewählt von 24,8 % der Teilnehmer).
- Evaluierung: Überprüfungen wurden durchgeführt und wir haben einige Fälle gesehen, die für Steuern geeignet sein könnten und beabsichtigen, diese demnächst zu integrieren (24 %)
- Abwartend: Es wurde viel darüber geschrieben und gesprochen und wir werden sehen, was von unseren Kollegen in anderen Steuerabteilungen entwickelt, getestet und verwendet wird, bevor wir kaufen (21,6 %)
- Aktiv: Zurzeit werden KI-Technologien zur Unterstützung von Forschung, Planung, Compliance oder Auditprozessen verwendet (18,8 %)
Der verbleibende Teil der Befragten wählte „Sonstiges/Nicht sicher“. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die meisten Steuerabteilungen abwarten und KI-Tools noch evaluieren. Dies entspricht im Allgemeinen dem, was meine Kollegen und ich innerhalb der Steuerabteilungen beobachten und dazu gehört:
- Der Wunsch nach kombinierten Fähigkeiten: Steuerabteilungen benötigen Fachkräfte mit steuerlichem Fachwissen, kombiniert mit KI-Kenntnissen und Erfahrung. Von diesen Steuertechnologen wird erwartet, dass sie KI-Tools für Dokumentenanalyse, Kontenabstimmung und ähnliche Aufgaben verwenden.
- Positionierung von KI als Faktor: Wir sehen KI eher als Unterstützung und nicht als Ersatz von Steuerfunktionen und Verantwortlichkeiten.
- Der Schwerpunkt liegt auf Dokumenten und erweiterter Datenanalyse: Zur primären Verwendung von KI in Steuerabteilungen gehören zurzeit Anomalieerkennung, Dokumentenerstellung, Klassifizierung, Übersetzung und Zusammenfassung.
Der Pilotprogramm-Falle entgehen
Einer aktuellen Studie des MIT Media Lab zufolge, deren Schwerpunkt Pilotprojekte in generativer KI ist, liefern die meisten KI-Anwendungen in Unternehmen noch nicht die erwarteten Ergebnisse. Auch wenn diese Studie für Schlagzeilen sorgte, geht es bei der Kernaussage weniger um KI an sich sondern darum, wie diese Tools eingesetzt werden (als einmalige Pilotprogramme, die nicht unbedingt mit einem geschäftlichen Nutzen verbunden sind). Als Reaktion auf die Studie des MIT schlugen zwei INSEAD Professoren, in einem Harvard Business Review-Artikel vor, dass Führungskräfte „von Hype angetriebene Ablenkungen ignorieren sollten und KI stattdessen als ein Tool in der größeren Umstellung auf digital gesteuerte Organisationen betrachten sollten, wo der Erfolg von der Verwendung von Technologie zur Transformation von Abläufen und besserer Kundenbetreuung abhängt.“ Zu diesem Zweck schlägt Ruth Porat, President und CIO von Alphabet und Google vor, dass Unternehmen ihre Prozesse von Grund auf überdenken sollten, um den vollen Wert auszuschöpfen, der KI beitragen kann.
Das ist ein guter Rat, den Steuerverantwortliche bei der Bewertung, Planung und Durchführung der Nutzung von KI-Tools befolgen sollten. Eine weitere Möglichkeit, die Voraussetzungen für KI mit hohem ROI zu schaffen, besteht in der Bewertung, welche Aufgaben und Aktivitäten innerhalb der Steuergruppe für den Einsatz von KI geeignet sind.
KI-Heatmaps, wie die im Bericht von Korn Ferry zur CHRO-Umfrage 2025 (auf Seite 10) beschriebenen, können dabei helfen. Diese Heatmaps sind visuelle, farblich gekennzeichnete Aufschlüsselungen der Aufgaben einer Position, anhand derer zwischen Aktivitäten mit einem höherem Potenzial für KI-Auswirkungen und Aufgaben, die mehr Urteilsvermögen, Beziehungsmanagement und andere eindeutig menschlichen Aktivitäten voraussetzen, unterschieden werden kann.
Es ist unwahrscheinlich, dass sich der Wert dieser auf Urteilsvermögen basierenden Tätigkeiten in Steuer- und Finanzgruppen in absehbarer Zeit verflüchtigen wird, aber es ist klar, dass KI tiefgreifende Auswirkungen auf den Inhalt vieler Steuerfunktionen haben wird.